Schulpolitiker lassen Eltern zappeln

Schulpolitiker lassen Eltern zappeln
RP - Bergische Morgenpost vom 12.01.2018

SPD, Grüne, Linke und W.i.R. verschieben die Entscheidung über Klassenbildung in den Grundschulen um mindestens zwei Wochen. CDU kritisiert Vertagung heftig: „Die Eltern wollen Sicherheit.“ Katholische Schulen sind gefragt.

Die Eltern von über 900 Kindern in Remscheid, die im Sommer ihre Schullaufbahn starten, müssen weiter auf eine Rückmeldung warten, ob ihr Kind an der von ihnen gewählten Grundschule tatsächlich angenommen wird. Nach hitziger Diskussion folgte der Schulausschuss am Mittwochabend mit knapper Mehrheit von einer Stimme dem Wunsch der SPD, die Entscheidung noch zu vertagen und über die von der Verwaltung vorgeschlagene Klassenbildung erst in einer späteren Sondersitzung zu entscheiden. Die FDP trug auf unglückliche Art ihren Teil zum Ergebnis bei. Bernd Schaub verließ in der Beratungspause die Sitzung und konnte so nicht mit abstimmen.
Der Bericht der Stadt sei zu kurzfristig gekommen, um ihn gründlich zu diskutieren, sagte SPD-Sprecherin Erden Ankay-Nachtwein. Ihre Fraktion habe noch Beratungsbedarf. Hinter den Kulissen ist zu hören, dass nicht nur Zeit eine Rolle spielt. Die SPD tut sich offenbar schwer damit, die von der Verwaltung vorgeschlagene zweite Eingangsklasse an der Katholischen Grundschule (KGS) Lüttringhausen zu genehmigen, die wie auch die mit ihr verbundene ehemalige KGS am Stadion seit kurzem unter dem gemeinsamen Namen Franziskus firmiert. Hier (45 Anmeldungen) wie in Lennep (47) ist der Ansturm groß. Themen wie der richtige Umgang mit Inklusion und Integration an Grundschulen sollen beim Zögern der SPD eine Rolle spielen.
Dass die Grünen der Verschiebung der Entscheidung zustimmten, begründete Jutta Velte mit den demokratischen Spielregeln. Zwar sei die Vertagung „ein bisschen unglücklich“, es sei aber guter Brauch in Remscheid, den Beratungsbedarf einer Fraktion zu akzeptieren. „Ich hoffe mal, dass die Eltern uns das verzeihen“, sagte Velte. Sie erfuhr am Mittwochabend auf Nachfrage, dass der Platz für die zweite Klasse in Lüttringhausen in diesem Jahr vorhanden sei, die räumlichen Kapazitäten im Offenen Ganztag aber begrenzt sind. Es sei denkbar, dass einige Eltern sich noch umorientieren, wenn sie dies erführen, sagt Velte. Die OGS-Anmeldung erfolgt später als die Schulanmeldung.
„Die Eltern wollen Sicherheit“, hatte CDU-Sprecher Alexander Schmidt zuvor an die SPD appelliert, sofort eine Entscheidung zu treffen. Beim angepeilten neuen Sitzungstermin in zwei Wochen werde die Faktenlage nicht anders sein. Der Elternwille sei eindeutig.
„Katastrophal“ nannte Schulrätin Brigitte Dörpinghaus die Vertagung: „Die Eltern wollen wissen, ob es klappt.“ Auch Sylvia Siegemund, Schulleiterin an der Freiherr-vom-Stein-Grundschule in Lennep, und Jörg Bergemann von der Albert-Schweitzer-Realschule warnten vor der Verzögerung. Ohne Erfolg.

Autor: HENNING RÖSER

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