Lütteraten fordern mehr Unterstützung für Stadtbibliothek

Lütteraten fordern mehr Unterstützung für Stadtbibliothek
rga - Remscheider Generalanzeiger vom 04.05.2017

Der Förderverein aus Lüttringhausen kritisiert schrumpfende Ausgaben für die Einrichtung an der Scharffstraße. Damit konfrontierte er die Politik.
Der Förderverein der Stadtteilbibliothek Lüttringhausen, die Lütteraten, sorgen sich um die Zukunft der Zentralbibliothek an der Scharffstraße. Am Mittwoch nutzten sie den Landtagswahlkampf, um die Politik auf die Probleme aufmerksam zu machen. „Wir sprechen hier nicht für die Lütteraten oder wollen andere Kulturangebote beschneiden“, stellte Wolfgang Luge vom Förderverein zu Beginn des Gesprächs mit SPD-Ratsherr Lothar Krebs, CDU-Ratsfraktionschef und -Landtagskandidat Jens Nettekoven, Philipp Wallutat (FDP), Fritz Beinersdorf (Linke) und Waltraud Bodenstedt (W.i.R) klar. Klar sei allerdings auch, dass die Bibliothek „Federn gelassen“ habe, wie die Leiterin des Kommunalen Bildungszentrums, Nicole Grüdl-Jakobs sagte.

Sponsoren könnten kurzfristig helfen
Seit mehr als zehn Jahren werde bei der Einrichtung, die Kinder an das Lesen heranführe, als externer Lernort diene und Serviceangebote für Migranten und Zuwanderer biete, gespart, rechnen die Lütteraten vor. Demnach seien von 2008 (219 500 Euro) bis 2015 (109 250 Euro) pro Jahr etwa 6,3 Prozent weniger für Medien ausgegeben worden. 2016 lagen die Ausgaben nur noch bei 82 000 Euro. Im Doppelhaushalt für 2017/18 ist zwar immerhin wieder eine – wenn auch sehr niedrige – sechsstellige Summe für die Bibliothek veranschlagt. Das reiche aber nicht. Die leere Stadtkasse sei für die Lütteraten nicht der einzige Grund für die Entwicklung. „Die Bibliothek hat in der Politik auch nicht den entsprechenden Stellenwert“, urteilte Luge. So werde Artikel 18 der NRW-Verfassung, nach dem Kultur zu fördern ist, nicht eingehalten.

Man dürfe es nicht der Kommune überlassen, die Stadtbibliothek zu finanzieren, so Waltraud Bodenstedt. „Ich weiß nicht, wo das Geld herkommen soll, wenn das Land nichts gibt“, sagte die W.i.R.-Sprecherin. Auch Fritz Beinersdorf forderte Mehrausgaben. „Ein Förderverein könnte helfen. Aber wir dürfen Stadt und Land nicht aus der Verantwortung lassen.“ Das wollte Lothar Krebs nicht stehenlassen: „Die Linke kann sich immer beschweren, aber sie steht auch nirgendwo in der Verantwortung. Wir müssen alle Bereiche, und nicht nur die Kultur, im Blick haben.“ Er schlug vor, die Landesprojektförderung anzuzapfen und für einzelne Anschaffungen und Projekte Sponsoren zu suchen.

Ein Weg, den auch Jens Nettekoven empfahl. „Das ist kurzfristige und wirksame Hilfe“, riet der Landtagsabgeordnete. Ob und wie die Bibliothek langfristig besser ausgestattet werden könne, hänge vom Ausgang der Landtagswahl und dem nächsten städtischen Haushalt ab. Und ganz so schlecht sehe es derzeit auch nicht aus, wehrte sich Philipp Wallutat gegen den Eindruck, die Bibliothek darbe vor sich hin. Baulich, durch verlängerte Öffnungszeiten und vor allem durch die Digitalisierung des Leihprozesses habe die Einrichtung „einen großen Sprung gemacht“.

Autor: Tristan Krämer