Positionspapier der W.i.R. zur Freiheitstraße - Verkehrsfluss statt Verkehrsfrust

Positionspapier der W.i.R. zur Freiheitstraße - Verkehrsfluss statt Verkehrsfrust

Positionspapier zur Umgestaltung der Freiheitstraße in Remscheid

Positionspapier der W.i.R. zur Freiheitstraße
Verkehrsfluss statt Verkehrsfrust (10/2011)

Problemstellung:

  • Die Freiheitstraße ist ein Verkehrsnadelöhr. Insbesondere zu den „Stoßzeiten“ entstehen immer wieder umfangreiche Staus.
  • Die Umweltbelastung übersteigt mit mehr als 25.000 Fahrzeugbewegungen die zulässigen Grenzwerte. Die Einrichtung einer Umweltzone droht.
  • Die vorhandenen Lichtzeichenanlagen sind veraltet. Eine „intelligente“ Umrüstung auf eine „grüne Welle“ ist nur durch Installation von 8 komplett neuen Lichtzeichenanlagen möglich.
  • Erste Untersuchungen deuten auf kritische Lärmbelastungen hin.
  • Die Wohn- und Lebensqualität ist durch veralterte Baustrukturen nicht mehr zeitgemäß. Die Folge ist ein hoher Leerstand.

     

Vorschlag der Verwaltung:

  • Die Verwaltung stellte im Februar 2011 im Zuge des Projektes „Stadtumbau West“ der Öffentlichkeit ihr Konzept zur Neugestaltung der Freiheitstraße von der Schüttendelle (Amtsgericht) bis zur Weststraße vor.
  • Der Bereich Weststraße bis zum Willy-Brandt-Platz wurde nicht überplant.
  • Für die Umsetzung sind 2,5 Mio. € (inkl. Fördermittel) eingeplant.
  • Wobei die neuen (intelligenten) Ampelanlagen mit einem von der W.i.R. geschätzten Investitionsvolumen von ca. 1,3 Mio. € nicht berücksichtigt sind. Diese Summe wird vom Land nicht gefördert.
  • Auf den städtischen Haushalt kämen also Investitionen in einer Größenordnung von rund 1,8 Mio. € (20% von 2,5 Mio. € plus 1,3 Mio. € für Ampeln) zu.
  • Diese Summe ist in den nächsten Jahren im Investitionshaushalt der Stadt Remscheid nicht darstellbar.

Schwerpunkte des Verwaltungsvorschlages:

  • Die Freiheitstraße soll auf zwei Fahrspuren mit zusätzlichen notwendigen Rechts- und Linksabbiegespuren zurückgebaut werden.
  • Die dabei freiwerdenden Verkehrsflächen sollen in Grünflächen bzw. zusätzliche Stellplätze umgewandelt werden.
  • Es soll Tempo 30 auf der gesamten Strecke eingerichtet werden.
  • Die Lichtzeichenanlagen sollen so optimiert werden, dass eine „grüne Welle“ erreicht wird, wobei die Finanzierung nicht gesichert ist.

Ungeklärte Fragen aus Sicht der W.i.R.:

  • Reicht die Kapazität bei Tempo 30 und nur einer Fahrspur?
  • Wie werden bei einer Einspurigkeit der Rettungsdienst, der Winterdienst und die Müllentsorgung organisiert?
  • Ist eine „grüne Welle“ bei den zahlreichen veralterten Ampelanlagen auf der Freiheitstraße möglich?
  • Ist es sinnvoll nur einen Teil der Freiheitstraße (Amtsgericht bis Blumenstraße) zu überplanen?
  • Wie sollen die Kosten für die neuen Ampelanlagen (ca. 1,3 Mio. €) finanziert werden?
  • Wie sollen die laufenden Kosten (Abschreibung und Bewirtschaftung) der Ampelanlagen im Haushalt dargestellt werden?

W.i.R.-Konzept:

  • Wir schlagen ein Konzept vor, das für die gesamte Freiheitstraße vom Amtgericht bis zum Willy-Brandt-Platz gilt. Dieses Konzept kann auch wie beim Verwaltungsvorschlag nur auf den Bereich vom Amtsgericht bis an die Blumenstraße angewandt werden. Das ist aus Sicht der W.i.R. nicht sinnvoll, da die Probleme nur unzureichend gelöst werden.
  • Am Amtsgericht und an der Blumenstraße wird ein Kreisverkehr eingerichtet. Diese Kreisverkehre werden wie in vielen Städten üblich Sponsoren zu Werbezwecken angeboten. Aus den Einnahmen werden die Unterhaltskosten gedeckt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bei Einhaltung bestimmter Rahmenbedingungen, einer Förderung durch das Land.
  • Die Freiheitstraße wird auf ihrer gesamten Länge einspurig (jede Richtung).
  • Die Fahrspuren sind „überbreit“, sodass Rettungsdienst, Winterdienst und Müllentsorgung gewährleistet sind.
  • Es wird auf der gesamten Länge ein Überholverbot eingerichtet.
  • Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 ist indiskutabel. Die W.i.R. befürwortet, unverändert Tempo 50 beizubehalten.
    • Begründung: Es ist bekannt, dass die NO2-Emissionen bei Kraftfahrzeugen mit Katalysatortechnik um bis zu 45 % bei Tempo 30 reduziert werden. Bei LKWs jedoch die Partikelemissionen deutlich steigen.
    • Des Weiteren könnte beiTempo 50 der Einsatz von Flüsterasphalt überlegt werden.
  • Es gibt auf der Freiheitstraße und in die Nebenstraßen keine Linksabbiegespuren und somit keine Ampeln.
  • Wo in welcher Form sichere Fußgängerüberwege geschaffen werden, muss diskutiert werden. Auf jeden Fall sollte bei Übergängen auf der Freiheitstraße mit Querungshilfen geplant werden. Außerdem sollten auch Brückenlösungen in die Planungen aufgenommen werden.
  • Interessant ist ein Fußgängerkreisverkehr wie in Shanghai umgesetzt. (Man wird ja mal träumen dürfen)
  • Die freiwerdenden Verkehrsflächen werden großzügig für Rechtsabbiegespuren / Einfädelung aus Nebenstraßen, Bushaltestellen, Park- und Ladebuchten sowie für Grünflächen genutzt.
  • Ob bzw. wie Fahrspuren für Fahrradfahrer eingerichtet werden sollen, ist zu diskutieren. Dagegen spricht, dass die Trasse des Werkzeuges parallel zur Freiheitstraße verläuft. Dafür spricht, dass es evtl. die Möglichkeit von zusätzlichen Fördergeldern gibt und eine Umsetzung relativ einfach bei den „überbreiten“ Fahrspuren zu erreichen ist. (Beispiel Wilhelmstraße)


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Zu Bild 1 (Kreisverkehr Amtsgericht bis Straße Am Bruch):

  • Am Amtsgericht entsteht ein großzügiger Kreisverkehr.
  • Die Einfahrt vom Hauptbahnhof kommend in die Straße Am Bruch ist nicht mehr möglich. Der Verkehr wird über die Kronprinzenstraße geführt.
  • Die Zu- und Ausfahrt aus der Schwesternstraße bleibt unverändert.


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Zu Bild 2 (Brucher Straße bis Kremenholler Straße):

  • Die Ausfahrt aus der Brucher Straße ist nur noch Richtung Amtsgericht möglich. Der Verkehr Richtung Hauptbahnhof wird über den Kreisverkehr Amtsgericht geleitet. Zusätzlicher Vorteil: Auf der Brucher Straße entsteht mehr Parkraum. Alternativ könnte man klären, ob die Einfahrt von der Freiheitstraße Vorteile hat.
  • Die Einfahrt in die Südstraße vom Bahnhof kommend wird nicht mehr möglich sein. Der Verkehr wird über den Kreisverkehr Amtsgericht geleitet.
  • Die Verkehrssituation Klein-Becker-Straße bleibt unverändert.
  • Ein Linksabbiegen von der Kremenholler Straße auf die Freiheitstraße Richtung Amtsgericht ist nicht mehr möglich. Der Verkehr wird über den Kreisverkehr Blumenstraße geleitet.


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Zu Bild 3 (Kreisverkehr Blumenstraße bis Stachelhauser Straße):

  • An der Blumenstraße entsteht ein großzügiger Kreisverkehr.
  • Das Einfahren von der Freiheitstraße (vom Kreisverkehr Blumenstraße kommend) in die Weststraße ist unverändert möglich.
  • Das Ausfahren von der Weststraße in die Freiheitstraße Richtung Amtsgericht entfällt. Der Verkehr Richtung Amtsgericht wird über den Willy-Brandt-Platz geleitet. Die Ausfahrt wird für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen und über 10 Meter Länge gesperrt. Größere Fahrzeuge müssen über die Presover Straße fahren.
  • Die Linksabbiegespur zum Natur-Gut entfällt.
  • Das Linksabbiegen vom Bahnhof kommend in den unteren Teil der Stachelhauser Straße entfällt. Der Verkehr wird über den Kreisverkehr Blumenstraße geleitet.
  • Im oberen Teil der Stachelhauser Straße wird kein Linksabbiegen auf die Freiheitstraße mehr möglich sein. Der Verkehr zum Hauptbahnhof wird über den Kreisverkehr Blumenstraße geführt. Zusätzlicher Vorteil: Auf der Stachelhauser Straße entsteht mehr Parkraum. Alternativ könnte man klären, ob die Einfahrt von der Freiheitstraße Vorteile hat.


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Zu Bild 4 (Papenberger Straße bis Kreisverkehr Willy-Brandt-Platz):

  • Von der Papenberger Straße ist ein Linksabbiegen auf die Freiheitstraße Richtung Amtsgericht nicht mehr möglich. Der Verkehr Richtung Amtsgericht wird über den Kreisverkehr Willy-Brandt-Platz geleitet. Zusätzlicher Vorteil: Auf der Papenberger Straße entsteht mehr Parkraum.
  • Der Verkehrsführung am Kreisverkehr Willy-Brandt-Platz muss neu überplant werden.

Wirtschaftliche Betrachtung:
Spätestens mit der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Rechnungsprüfungsamtes vom 28.05.2009 ist unstrittig, dass Kreisverkehre deutliche Kostenvorteile gegenüber Ampelanlagen haben. Bestätigt wurde dieser auch durch unsere Vergleichsrechnung zur Ampelanlage Müngsten.

 

Kreisverkehr Amtsgericht / Blumenstraße

Lichtzeichenanlage Freiheitstraße

   

Lichtzeichenanlage

Straßenbauarbeiten

Investition

*760.000 €

**1,3 Mio. €

*** €

Nutzungsdauer

50 Jahre

20 Jahre

50 Jahre

Unterhaltung/Jahr

0 €

****57.000 €

0 €

Abschreibung/Jahr

15.200 €

65.000 €

Jährlicher Aufwand

15.200 €

122.000 €

       

Gesamtkosten
für 50 Jahre

0,79 Mio. €

6,1 Mio. €

  

* Basis: 380.000 € / Kreisverkehr
** Basis: 8 LZA (3 X Kreuzung, 5 X Abbiegung) 3 X 192.000 € + 5 X 140.000 € = 1,3 Mio. €
*** Basis: Die Straßenbauarbeiten sind im Investitionsvolumen Freiheitstraße beinhaltet und werden daher für den Vergleich nicht herangezogen.
**** Basis: 3 X 9.250 € + 5 X 6.000 € = 57.000 € / Jahr

 

Die Kreisverkehrlösung ist betriebswirtschaftlich unschlagbar. Unsere Vorschläge stellen eine Diskussionsgrundlage insbesondere mit den Bürgern dar. W.i.R. wünschen uns viele kluge Köpfe, welche unser Papier kritisch und konstruktiv bearbeiten und zu einem umsetzbaren Konzept werden lassen.

 

 

Lesen Sie weitere Positionspapiere der W.i.R. zu anderen Themen hier

Kommentare

Da sind ja viele gute Ideen

Da sind ja viele gute Ideen bei, insbesondere die Kreisverkehrslösungen. Funktioniert in anderen Ländern ja schließlich auch. Aber Radwege (nur um Fördermittel zu bekommen) brauchen wir da eher nicht, die Alibi-Radwege im Bereich Wilhelm-/Schützenstr. werden auch kaum genutzt. Verständlich, wir leben ja auch in RS und nicht in Holland. Aber ich plädiere eher für einen zweispurigen Ausbau der Freiheitstraße als DIE Hauptverkehrsschlagader durch Remscheid. Nur eine Spur und dann vielleicht noch Tempo 30? Dann gute Nacht Remscheid. Aber: wie schon erwähnt: viele der Ideen sind gut und je mehr der Verkehr auf Hauptstrecken fließen kann (Kreisverkehre, grüne Welle), desdo besser.

Lesen Sie hier die Artikel

Lesen Sie hier die Artikel von BM und RGA zu unserem Pressegespräch.

Das soll man noch verstehen.

Das soll man noch verstehen. Da schlägt die Verwaltung für die Freiheitstraße Tempo 30 vor und der Chef des Ordnungsamtes stellt ausführlich da, dass Tempo 30 auf Durchgangsstraßen nicht sinnvoll ist.

In einem Leserbrief im

In einem Leserbrief im Remscheider General-Anzeiger hat Herr Prof. Dr. Ing. Ernst Groß-Hardt eindeutig Stellung für Kreisverkehre bezogen.

Wenn es so weiter geht, dass

Wenn es so weiter geht, dass die Verwaltung auf Vorschläge von "außen" nicht reagiert, kommt es zur Umweltzone. Lesen Sie dazu folgenen Artikel

WDR vom 07,02.2012
Remscheid bald Umweltzone? Die Bezirksregierung will im September (2012) große Teile Remscheids zur Umweltzone erklären. Denn auf der Freiheitsstraße wurden seit Jahren erhöhte Werte von Stickstoffdioxid gemessen. Fahrzeuge, die nicht mindestens die gelbe Plakette haben, müssten dann draußen bleiben. Kritik kommt nicht nur von Seiten der Wirtschaft, sondern auch vom Leiter des städtischen Umweltamtes Wolfgang Putz. Er hoffe, dass andere Maßnahmen ausreichen, um den Wert einhalten zu können.

09.02.2012: Die erste

09.02.2012: Die erste Mitteilungsvorlage zur ersten Umweltzone in Remscheid liegt vor.

 Es liegt eine gemeinsame

 Es liegt eine gemeinsame Stellungnahme der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid, der Handwerkskammer Düsseldorf und der Kreishandwerkerschaft Remscheid zum Luftreinhaltplan für Remscheid vor.