Die Diskussion zur Zukunft der Bergischen Symphoniker ist neu eröffnet. W.i.R. legen Zahlen vor!

Die Diskussion zur Zukunft der Bergischen Symphoniker ist neu eröffnet. W.i.R. legen Zahlen vor! 12.08.2011

Leider hat Frau Oberbürgermeisterin Wilding unsere Anfrage vom 28.02.2011 „Bergische Symphoniker – Actori-Vorschläge sind nicht alternativlos“  bis heute, trotz mehrmaliger Mahnung, nicht beantwortet.

Begründet hat sie das mit der Aussage, eine mögliche Beantwortung sei strategisch und taktisch aus ihrer Sicht unklug. Im Klartext : Sie will weiter die von ihr so geschätzte „Hinterzimmerpolitik“ betreiben. W.i.R. sind der Meinung, dass eine seriöse Entscheidung zur Zukunft der Bergischen Symphoniker nur bei Vorlage aller Daten und Fakten möglich ist.

W.i.R. haben eigene Recherchen und Berechnungen durchgeführt, um eine Vorstellung darüber zu erhalten, wie sich die von uns angefragten Varianten finanziell auf den Remscheider Haushalt auswirken werden. Dabei haben wir einen Betrachtungszeitraum von 25 Jahren (wie im Actori-Gutachten) gewählt.

W.i.R. haben ausschließlich nur die finanziellen Auswirkungen für Remscheid betrachtet. Es ist uns klar, dass diese nicht ausschließlich maßgeblich für eine Entscheidung sein können. Aber ohne die finanziellen Auswirkungen zu kennen ist eine Entscheidung nicht möglich. Dabei wollen W.i.R. noch einmal in Erinnerung rufen, dass der Zwang zum Sparen der Auslöser der Diskussion über den Bestand der Bergischen Symphoniker war.

Alle Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Remscheider Anteil


Unveränderter Ist-Zustand (B-Orchester SG/RS) 
  • Der aktuelle Zuschuss der Stadt Remscheid beträgt 1,946 Mio. €/Jahr.  Der Zuschussbedarf wird bis zum Jahr 2035 (hochgerechnet inkl. 2% Kostensteigerung/Jahr) auf 3,192 Mio. €/Jahr steigen.
Zuschussbedarf (B-Orchester) der Stadt Remscheid kumuliert, inkl. 2% Kostensteigerung bis zum Jahr 2035 66,77 Mio. €

Actori-Vorschlag (Fusion der Bergischen Symphoniker mit dem Wuppertaler Sinfonieorchester) Bezahlung nach A-Tarif, ohne betriebsbedingte Kündigungen

  • Zuschussbedarf kumuliert gemäß Ist-Zustand
66,77 Mio. €
  • Mehrkosten (Anhebung auf A-Tarif) bis zum Jahr 2018
+ 0,60 Mio. €
  • Ausgleich der Übergangkosten bis zum Jahr 2023.
    Erste effektive Einsparungen ab dem Jahr 2014
 
Einsparung bis zum Jahr 2035 (kumuliert) - 5,70 Mio. €
Zuschussbedarf für den Actori-Vorschlag bis zum Jahr 2035 61,67 Mio. €
   
Achtung: Solingen spricht jedoch vom Mehrkosten für die drei Städte (über das Actori-Gutachten hinaus) von 10 bis 18 Mio. €. Unter anderem sei die Finanzierung eines Proberaumes für ein so großes A-Orchester noch ungeklärt. Ob ein A-Orchester im Teo-Otto-Theater bei Konzerten überhaupt Platz findet ist bisher noch nicht dokumentiert. Des Weiteren wird von Kosten für Fahrgeld und von Fahrzeitkostenausgleich gesprochen.

Modifizierter Actori-Vorschlag (Fusion der Bergischen Symphoniker mit dem Wuppertaler Sinfonieorchester) Bezahlung nach A, mit betriebsbedingten Kündigungen
  •  Zuschussbedarf kumuliert gemäß Ist-Zustand
66,77 Mio. €
  • Mehrkosten (Anhebung auf A-Tarif) bis zum Jahr 2018
+ 0,60 Mio. €
  • Ausgleich der Übergangkosten bis zum Jahr 2023.
    Erste effektive Einsparung ab dem Jahr 2024
 
  • Einsparung bis zum Jahr 2035 (kumuliert)
- 5,70 Mio. €
  • Einsparung durch betriebsbedingte Kündigungen
-5,60 Mio.€
Einsparung bis zum Jahr 2035 (kumuliert) - 11,30 Mio. €

Zuschussbedarf für den modifizierten Actori-Vorschlag
bis zum Jahr 2035

Die Gesamteinsparungen für die Städte Wuppertal (60%), Solingen (20%) und Remscheid (20%) steigen somit um rund 28,2 Mio. € (Actori-Gutachten, Seite 108)

55,47 Mio. €

C-Orchester (SG, RS)  
Die Bergischen Symphoniker haben zur Zeit als B-Orchester 72 Planstellen. Ein C-Orchester benötigt nur 56 Planstellen. Unter der Annahme, dass durch Verhandlungen der Tarifparteien der niedrigere C-Tarif ausgehandelt wird und das Personal kontinuierlich reduziert wird, werden sich die Personalkosten wie folgt reduzieren:
  • Kurzfristig durch Tarifverhandlungen um 10% / 20% 

0,2 / 0,4 Mio. €/Jahr

  • Mittelfristig durch Personalabbau um rund
0,4 Mio. €/Jahr
  • Zuschussbedarf (B-Orchester) kumuliert,
    inkl. 2%Kostensteigerung bis zum Jahr 2035
66,77 Mio. €
  • Einsparung aufgrund C-Tarif bis zum Jahr 2035 (15%) 
10 Mio. €
  • Einsparung Personalreduzierung
7,5 Mio. €
  • Einnahmeausfall · Unter der Annahme, dass ein C-Orchester bei Gastspielen nur 50% der Einnahmen eines B-Orchesters erwirtschaften kann, ergeben sich Reduzierungen von 0,115 Mio. €/Jahr 
2,9 Mio. €
Einsparung bis zum Jahr 2035 (kumuliert) -14,60 Mio. €
Zuschussbedarf durch die Stadt Remscheid bis zum Jahr 2035 52,17 Mio. €

Erhalt der Bergischen Symphoniker als Bürgerorchester (Ist-Zustand)

Das Orchester bleibt unverändert bestehen, wird aber in Zukunft von einem Trägerverein finanziert. Mitglied in diesem Verein ist die Stadt Remscheid mit einem festgeschriebenen Beitrag in Höhe von 1,5 Mio. €/Jahr.
  • Zuschussbedarf (B-Orchester) kumuliert,
    inkl. 2% Kostensteigerung bis zum Jahr 2035
66,77 Mio. €
Einsparung bis zum Jahr 2035 (kumuliert) -29,10 Mio. €
Zuschussbedarf Bürgerorchester kumuliert bis zum Jahr 2035 37,50 Mio. €


Auflösung der Bergischen Symphoniker
23 Mitarbeiter haben ein Rückkehrrecht zur Stadt. Für einige Mitarbeiter fallen möglicherweise Abfindungszahlungen an.
  • Unter der Annahme, dass der letzte Mitarbeiter mit Rückkehrrecht im Jahr 2035 in den Ruhestand geht, ergeben sich Personalkosten bis zum Jahr 2035 in Höhe von 13 bis 15 Mio. €
Ob die Mitarbeiter einen Rückkehranspruch haben, der rechtlich Bestand hat, müsste erst einmal geprüft werden.
Unter der Annahme, dass ein Teil der Mitarbeiter (durch Weiterbildung und Umschulung) in städtischen Bereichen weiter beschäftigt werden können, ergeben sich folgende Einsparmöglichkeiten:
 Einsatz in der Musik- und Kunstschule (MKS)  
  • Durch Ersetzen der städtischen Honorarkräfte der MKS inkl. Kompensation und Wegfall der TVöD-Stellen ab 2012 sind Einsparungen von jährlich 0,2 Mio. €/Jahr möglich. Die Einsparungen steigen kontinuierlich bis 2016 auf 0,5 Mio./Jahr, danach bleiben sie stabil (laut MKS Gutachten Seite 27). 
    Annahme Einsparung bis zum Jahr 2035
7,5 Mio.€
 
  • Angebotserweiterung der MKS (Abbau der Warteliste) durch zusätzlichen Einsatz von Mitarbeitern der Symphoniker
    Mehreinnahmen
2,0 Mio. €
 
 
Teo Otto Theater (TOT)  
  •  Aufgrund der Pflichtabnahmen durch das TOT für das Musiktheater (17 Veranstaltungen/Jahr) entstehen jährliche Kosten in Höhe von 278 T €. Wir wissen, dass die Bergischen Symphoniker pro Gastspielauftritt rund 6.400 € erwirtschaften (Einnahmen von Dritten für 52 Auftritte 330 T €). Das ist offensichtlich der marktübliche Preis für ein Symphonieorchester. Diese Kosten setzen wir für das Musiktheater an 278 T €/Jahr minus17 X 6.400 € = 170 T €/Jahr
  • Einsparung bis zum Jahr 2035
- 4,25 Mio. €
  • Einnahmen durch Schulmusik (45 T €/Jahr)
1,00 Mio. €
   
Proberaum am Bruch  
Auflösung des Proberaumes = 48 T€/Jahr Einsparung bis zum Jahr 2035 -1,20 Mio. €
   
Haupt- und Sonderkonzerte in Remscheid  
Die Symphoniker bieten 29 Philharmonische-, Kammer-, Familien- und Schulkonzerte pro Jahr in Remscheid an. Um diese in Zukunft durch Fremdorchester zu gewährleisten, entstehen folgende Kosten: 29 Konzerte X 6.400 € = 186 T€ /Jahr
Mehrkosten bis zum Jahr 2035 4,65 Mio. €
Verbleibende Kosten für die Stadt Remscheid bei Auflösung der Bergischen Symphoniker bis zum Jahr 2035 1,7 - 3,7 Mio. €

Zusammenfassung:  
Zuschussbedarf (B-Orchester SG/RS) der Stadt Remscheid kumuliert, inkl. 2% Kostensteigerung bis zum Jahr 2035 66,77 Mio. €

Zuschussbedarf der Stadt Remscheid für den Actori-Vorschlag (ohne Betriebsbedingte Kündigungen)bis zum Jahr 2035

 61,67 Mio. €
Einsparmöglichkeit für RS bis 2035
 
5,10 Mio. €
Zuschussbedarf der Stadt Remscheid für den modifizierten Actori-Vorschlag (mit betriebsbedingten Kündigungen) bis zum Jahr 2035 55,47 Mio. €
Einsparmöglichkeit für RS bis 2035
 
11,30 Mio. €
Zuschussbedarf der Stadt Remscheid für ein C-Orchester SG/RS bis zum Jahr 2035 52,17 Mio. €
Einsparmöglichkeit für RS bis 2035
 
14,60 Mio. €
Zuschussbedarf der Stadt Remscheid für ein Bürgerorchester bis zum Jahr 2035 37,50 Mio. €
Einsparmöglichkeit für RS bis 2035
 
29,27 Mio. €
Verbleibende Kosten für die Stadt Remscheid bei Auflösung
der Bergischen Symphoniker bis zum Jahr 2035
1,7 - 3,7 Mio. €
Einsparmöglichkeit für RS bis 2035 63 - 65 Mio. €
   
W.i.R. erwarten von Oberbürgermeisterin Beate Wilding, dass sie sich mit unseren Zahlen auseinandersetzt und diese korrigiert oder durch ihr Schweigen bestätigt.
 
 
Es muss gehandelt werden. Dabei ist unstrittig, dass der Ist-Zustand nicht weiter zu finanzieren sein wird
  • Den Actori-Vorschlag halten W.i.R. für unrealistisch. Die möglichen Einsparungen sind zu gering. Die Risiken sind aus unserer Sicht nur unzureichend genannt. Der Zeithorizont für mögliche Einsparungen ist deutlich zu lang. Mögliche betriebsbedingte Kündigungen wurden nicht einmal in die Überlegungen einbezogen.
  • Ein Umwandlung in ein C-Orchester erscheint nur sehr begrenzt zielführend.
  • Die von uns ermittelten Zahlen zur Auflösung der Bergischen Symphoniker zeigen uns, warum Oberbürgermeisterin Wilding unsere Anfrage nicht beantworten wollte. Hier wird deutlich, dass ihre Behauptung „alles zu teuer“ der Versuch war, die Fakten zu verschleiern. Und das, obwohl es in Remscheid weiterhin Schulmusik, Schulkonzerte sowie Haupt- und Sonderkonzerte geben würde.
  • Sollten die Orchesterfreunde weiterhin den Ist-Zustand der Bergischen Symphoniker wünschen, gibt es nur die Möglichkeit, dass sie einen großen Anteil der Finanzierung, ab sofort übernehmen. Der zur Zeit gezahlte städtische Zuschuss in Höhe von 1,95 Mio. € wird gedeckelt. Mittelfristig wird der städtische Zuschuss auf 1,5 Mio. €/Jahr reduziert. Der Fehlbetrag ist von einem Trägerverein (z.B. Orchesterfreunde) verbindlich zu übernehmen. Ein Gesprächsangebot an die Remscheider Orchesterfreunde vom 10.06.2011 blieb bis heute unbeantwortet. W.i.R. verweisen noch einmal ausdrücklich auf unseren Vorschlag aus dem Jahr 2007 für ein Bürgerorchester.

Zusätzlicher Diskussionsbeitrag:

Aufgrund unserer Recherchen und Berechnungen könnte sich die W.i.R.-Fraktion eine Fusion der Orchester von Wuppertal, Solingen und Remscheid als B-Orchester vorstellen. Im Klartext heißt das, dass bei einer Fusion der beiden bergischen Orchester alle Mitarbeiter nach B-Tarif bezahlt würden. Die Mitarbeiterzahl würde langfristig auf 72 Musiker abgeschmolzen. Die Einsparungen aller Städte, insbesondere für Wuppertal, würden beträchtlich steigen. Die W.i.R.-Fraktion wird eine entsprechende Anfrage stellen, um die finanziellen Auswirkungen zu erfragen. Natürlich werden die Kulturfreunde bei dieser Idee aufschreien und den Untergang des Abendlandes ausrufen. Aus Sicht der W.i.R.-Fraktion erscheint dieser Vorschlag jedoch den katastrophalen Haushaltslagen von Wuppertal, Solingen und Remscheid angepasst und würde die langfristige Sicherung eines eigenen bergischen Orchesters sicherstellen.

 Lesen Sie hier was schon geschehen ist.

 

 

Hier können Sie die Mitteilungsvorlage 14/1291 "Prüfauftrag zur Bildung einer Bergischen Bühnen- und Orchestergesellschaft", die am 09.02.2012 im Haupt- und Finanzausschuss zur Kenntnis genommen wurde, lesen.





Kommentare

Lesen Sie, wie die Presse

Lesen Sie, wie die Presse unsere Ausführungen aufgenommen hat:

Waterbölles: Hochkultur hat eine Chance, wenn sich Sponsoren finden.

Bergische Morgenpost: Alternativen zur Orchesterfusion? Wählergemeinschaft hat gerechnet.

Remscheider General-Anzeiger: Wer die Musik bestellt . . .

Remscheider General-Anzeiger (Kommentar): Der Vorschlag hat Charme.

Wie angekündigt haben wir

Wie angekündigt haben wir eine Anfrage für den Haupt- und Finanzausschuss am 15.09.2011 gestellt. Gespannt erwarten wir die Antworten der Verwaltung.

Erstmalig haben sich die

Erstmalig haben sich die Orchesterfreunde zu unseren Vorschlägen geäußert.

Am 07.09.2011 gab es eine

Am 07.09.2011 gab es eine rege Diskussion zum Thema. Lesen Sie hier die Berichterstattung der Remscheider Presse:

Bergische Morgenpost: Orchesterfreunde unter Druck

Remscheider General-Anzeiger: Orchesterfusion: Meinungen driften weit auseinander

Waterbölles: Starre Haltung der Orchesterfreunde provozierte Widerspruch

 

Ob Wilding und

Ob Wilding und Kulturdezernent Henkelmann haben trotz unserer Bitte nicht auf unsere Zahlen reagiert. Für uns ist ihr Schweigen die Bestätigung für die Richtigkeit unserer Zahlen.

Der Erfolg der Veranstaltung

Der Erfolg der Veranstaltung "Welcome to the Best of 10 Years" der Bergischen Symphoniker in der Wagenhalle der Stadtwerke Remscheid hat die Wählergemeinschaft zu einem offenen Brief angeregt.

Jetzt ist es raus. Wuppertals

Jetzt ist es raus. Wuppertals OB Jung hat verkündet: die Fusion der Bergischen Orchester ist vom Tisch. BASTA!

Eine interessante Übersicht

Eine interessante Übersicht vom Deutschen Musikrat zu öffentlich finanzierten Orchestern 2010 und deren struktureller Entwicklungen seit 1990 lesen Sie hier.

Wir haben heute im

Wir haben heute im Hauptausschuss von OB Wilding die Zusage erhalten, dass die Verantwortlichen der Bergischen Symphoniker ihre Vorstellungen zu der Zukunft der Symphoniker im Ausschuss (Kulturausschuss?) vorstellen werden.

Lesen Sie hierzu das

Lesen Sie hierzu das Schreiben von Herrn Katzwinkel an uns.

Lesen Sie hierzu das

Lesen Sie hierzu das Schreiben von Herrn Dr. Brähler an uns.

Im Kulturausschuss am

Im Kulturausschuss am 13.12.2011 werden Vertreter der Symphoniker ihre Vorstellungen zur Zukunft vorstellen.

In der Sitzung des

In der Sitzung des Aussschusses für Kultur und Weiterbildung am 13.12.2011 legt die Verwaltung die Mitteilungsvorlage 14/1291 "Prüfauftrag zur Bildung einer Bergischen Bühnen- und Orchestergesellschaft" vor. Dort werden unsere Aussagen bestätigt. Ja, unsere Aussagen sind sogar noch konkreter und präziser.